Führungskräfte besitzen das Vertrauen ihrer Mitarbeiter: Die Chance, sich selbst und ihr Unternehmen weiterzuentwickeln!

Die große Mehrheit der deutschen Angestellten (84 Prozent) ist überzeugt, dass ihre Vorgesetzten ihre Arbeit überwiegend richtig machen. Dies ist eines der Ergebnisse der repräsentativen Forsa-Studie „Was ist richtig?“, die im November 2015 unter rund 1.000 Mitarbeitern durchgeführt wurde. Was sagt uns dieses Ergebnis? Ich bin der Meinung, dass es durchaus zweischneidig zu sehen ist.

 

Positiv: Deutsche Vorgesetze können Führung

Die erste – und naheliegende – Erklärung für die hohen Zustimmungsraten lautet: Deutsche Führungskräfte verstehen ihren Job. Sie handeln in den meisten Fällen so, dass es für ihre Mitarbeiter nachvollziehbar und zielführend ist, beziehen die Beschäftigten möglicherweise in relevante Entscheidungen mit ein und bringen damit ihre Mitarbeiter hinter sich. So können sie gute Ergebnisse erzielen, denn diese entstehen vor allem im Team und nicht im Dissens, wo jeder Mitarbeiter seine eigene verborgene Agenda hat. Und gerade heute, wo der Wandel die einzige Konstante ist und Unternehmen aufpassen müssen, ihre Mitarbeiter im Change-Prozess nicht abzuhängen, ist es unerlässlich, dass die Führungskräfte das Vertrauen der Beschäftigten haben.

 

Negativ: Deutsche Vorgesetzte machen es sich in der Komfortzone bequem

Die zweite Erklärung für den starken Zuspruch der Mitarbeiter fällt für die Vorgesetzen weniger schmeichelhaft aus: Möglicherweise haben es sich Führungskräfte und Mitarbeiter in der Komfortzone gemütlich gemacht, haben sich in bewährten Strukturen eingerichtet und wehren notwendige, aber eventuell unbequeme Neuerungen gemeinsam ab. Träfe diese Deutung zu, würde das den starken Mehrwert der hohen Zuspruchsrate konterkarieren – und den Vorgesetzen ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Denn ihre Aufgabe ist es nicht nur, Mitarbeitern die besten Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, sondern auch, die Entwicklung des Unternehmens voranzutreiben und den Unternehmenserfolg positiv zu beeinflussen. Dies bedeutet auch, Konflikte mit Mitarbeitern austragen zu müssen, Reibung zu erzeugen – und gegebenenfalls geringere Zustimmungswerte zur eigenen Arbeit in Kauf zu nehmen.

 

Fazit: Führungskräfte müssen sich weiterentwickeln

In Zeiten digitaler Transformation wird auch in deutschen Unternehmen verstärkt nach neuen Ideen und Konzepten gesucht, die Innovationskraft und Agilität stärken. Doch der Weg dorthin ist oft noch unklar. Klar ist: Wenn Führungskräfte ihr Unternehmen voranbringen wollen, benötigen sie sowohl die Fähigkeit, Mitarbeiter einzubinden und erfolgreich „mitzunehmen“ im Change-Prozess als auch eine gewisse „Härte“, um Meinungsverschiedenheiten durchzustehen und klar Position zu beziehen. Führung wird also komplexer – und Vorgesetzte sollten kritisch reflektieren, ob sie bereits in der Lage sind, das ganze Spektrum guter Mitarbeiterführung abzudecken. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen sich erst einmal die Führungskräfte weiterentwickeln, bevor sie das Unternehmen erfolgreich weiterentwickeln können.

 

Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrem Unternehmen: Gehen Führungskräfte oftmals zu sehr auf Kuschelkurs? Und inwiefern fehlen ihnen Fähigkeiten, die für eine gute Mitarbeiterführung unerlässlich sind?

 

Photo Credit: Oscar Keys via Unsplash

 

Die Studie wurde von der Haufe Akademie durchgeführt. Die Umfrageergebnisse können über presse@haufe-akademie.de angefragt werden.

Kommentare

  1. Cetin am

    Ein sehr gelungener Artikel. Wir gratulieren dazu und stimmen damit überein. Führungskräfte sind wichtig. Aber die Mitarbeiter sind meistens die ausführende Kraft.

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  2. Hansjörg Fetzer am

    Vielen Dank – Es freut mich, dass Sie mit mir übereinstimmen.

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  3. Atilgan am

    Es wundert mich wirklich das ca. 80 Prozent der Meinung sind.
    Aber den Artikel finde ich toll, hier gibt es eine Menge zu diskutieren würde ich sagen.

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