Macht mal anders

Macht: Nicht nur in Deutschland ein schwieriges Thema mit Blick auf die Geschichte. Da sind die Erinnerungen oft negativ – Macht und Hierarchiedenken werden z.B. als Vermögen verstanden, das zu realisieren, was man will. Oder als Handlungsvermögen, möglicherweise auch gegen die Interessen anderer.

 

Jede Handlung in Organisationen enthält Zweckgebundenheit, Kommunikation und Macht. So kann man sie im betrieblichen Kontext prozessual verstehen; aber erst durch die Wiederholung von Handlungen manifestieren sich Strukturen, Durchsetzungskraft und bilden sich Machtstrukturen: Es ist deshalb nicht sinnvoll, Macht zu tabuisieren oder beiseite schieben zu wollen.

 

Führungskräfte sind mit formeller Macht ausgestattet, aber informell wirken sich auch Charisma, Netzwerke, Wissen, sicheres Auftreten darauf aus, Macht zu stärken oder zu festigen. Neben dem Machtanspruch haben sie die Verantwortung, ihr Verhalten bewusst zu prägen; sollten Leader daher nicht einem besonders hohen Gestaltungswillen nachkommen? Es geht doch darum, Macht bewusst und maßvoll einzusetzen und Kollegen und Teammitglieder zu motivieren und zu stärken.

 

Zudem nehmen Führungskräfte auch rechtliche Positionen war, in denen die Erfüllung ihrer Aufgaben besondere Formen annehmen kann, etwa wenn im arbeitsrechtlichen Sinne Disziplin ausgeübt werden muss oder wenn sie als Organe für ihr Wirken haftbar gemacht werden. Sie sind zudem auch Kulturschaffende, indem sie Normen, Werte und Überzeugungen leben und einfordern sowie Arbeits- und Umgangsstile pflegen.

 

Es gibt gute Gründe für das bewusste Ausgestalten von Machtpositionen und das Prägen der Unternehmenskultur, das nicht nur eine moralische Verankerung haben sollte, sondern auch betriebswirtschaftlichen Zwecken dient. Macht sollte nicht verheimlicht, sondern umverteilt werden, um agile Unternehmensorganisation zu ermöglichen. Nicht um populär zu sein, sondern weil klare Vorteile damit verbunden sein können, die über die Zukunftsfähigkeit der Organisation mit entscheiden. Hierzu gehören u.a. verbesserter Informationsfluss und Problemlösungskompetenz, ein Beitrag zum Erlangen neuer Kenntnisse und zum Gelingen von Transformationen sowie zum Realisieren von Innovationserfolgen.

 

Wir wissen alle: Macht kann korrumpieren und Führungskräfte sollten immer wieder reflektieren, was ihre Machtausübung bewirkt. Erinnern wir uns an Foucault: „Nur wer sich selber regieren kann, kann andere regieren.“ So müssen wir uns immer wieder bemühen, uns selbst in unseren Handlungsmotiven und Wirkungsweisen zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Andererseits müssen wir unsere Mitarbeiter zu mündigen Mitstreitern machen, die selbstbestimmt mitgestalten, mit Macht umzugehen lernen und souverän auf Machtausübung anderer reagieren.

 

Fazit: Achten wir mehr darauf, Machtmissbrauch zuvor zu kommen und sie dort zu teilen, wo es sinnvoll ist. Es gilt, dabei konsequent Verantwortung zu übernehmen –  fürsorglich unseren Mitarbeiter sowie uns selbst gegenüber – und nicht zuletzt den künftigen Erfolg unserer Unternehmen zu sichern.



< Zurück zur Artikelübersicht

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare hinterlassen

Nie wieder einen Beitrag verpassen

Gerne halten wir Sie über neue Trends und Themen im Bereich mitarbeiterzentrierte Unternehmensführung auf dem Laufenden.