Agilität im „Kleinen“: Teams organisieren sich selbst

Immer wieder werde ich gefragt, ob es eine Maximalgröße für Unternehmen gibt, ab der eine agile Struktur nicht mehr möglich ist. Allerdings kann ich diese Frage so nicht beantworten. Denn wie sich ein Unternehmen organisiert, ist von vielen inneren und äußeren Faktoren abhängig: bisherige Organisationsform, Aufgabenbereiche, Mitarbeiterstruktur, Kultur, äußere Rahmenbedingungen etc.

 

Und ein weiterer Faktor ist entscheidend: Es geht nicht darum, Unternehmen umzukrempeln. Agile Strukturen können im „Kleinen“ ausgetestet werden – nämlich innerhalb einzelner Teams. Das Gute daran ist, dass diese selbst am besten wissen, welche Teamstruktur sich für sie eignet. Aus diesem Grund entscheiden unsere Teams bei Haufe-umantis selbst über ihre Organisationsform. Bisher unterscheiden wir zwischen drei verschiedenen Möglichkeiten:

 

1. Führung durch Teamleiter

Das Team wählt einen Teamleiter, der für operative Angelegenheiten zuständig ist und die Hauptverantwortung trägt. Soweit es sich anbietet, werden Entscheidungen demokratisch im Team gefällt. Ansonsten liegt die Entscheidungsbefugnis beim Teamleiter.

 

2. Projektorganisation durch Scrum

Eine Organisation nach Scrum-Regeln findet sich schon heute in den meisten digitalen Unternehmen. Teams, die sich nach Scrum-Regeln organisieren, wählen einen Product Owner und einen Scrum Master. Sie bleiben drei Monate als Team bestehen und arbeiten an gemeinsam definierten Zielen. Diese drei Monate sind in sogenannte Sprints unterteilt, die jeweils zwei Wochen andauern.

 

Der Product Owner erstellt vor jedem Sprint eine Liste mit den nach seiner Meinung wichtigsten Aufgaben, denen sich die Teammitglieder eigenständig zuordnen. Nach den zwei Wochen finden eine Rückschau und die nächste Neuausrichtung statt. Um innerhalb einer solchen Periode möglichst reibungslos arbeiten zu können, werden Herausforderungen täglich in einem sogenannten Daily Standup besprochen. Diese aus dem Weg zu räumen, ist Aufgabe des Scrum Masters.

 

3. Eigenverantwortung durch Selbstorganisation

Die reine Selbstorganisation eines Teams ist sicherlich die höchst mögliche agile Form des Arbeitens, aber auch die anspruchsvollste. In diesen Teams übernimmt jeder Einzelne das gleiche Maß an Verantwortung für das Gesamtergebnis und die volle Verantwortung für seine Aufgaben. Diese Organisationsform erfordert sehr viel Reife aller Teammitglieder und zudem ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit. Aus diesem Grund sind es meist kleine, hoch spezialisierte Teams – beispielsweise aus dem Bereich Forschung und Entwicklung – die auf die reine Selbstorganisation zugreifen.

 

Sicherlich kommen unsere unterschiedlichen Organisationsformen nicht für jedes Unternehmen in Frage. Was jedoch für alle Unternehmen gleichermaßen gilt: Agilität lässt sich nicht aufzwingen. Vielmehr muss die Organisationsform den Gegebenheiten angepasst werden – die Ausprägungen sehen von Aufgabe zu Aufgabe, von Team zu Team, von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich aus. Aber was genauso wichtig ist: Agile Strukturen können erlernt und dürfen im „Kleinen“ ausprobiert werden. Trauen Sie Ihren Mitarbeitern das ruhig zu – Sie werden von den Ergebnissen positiv überrascht sein!

 

Haben Sie Teams, die sich bereits agil organisieren? Welche Vorteile haben Sie erfahren? Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich dabei konfrontiert? Und was sagen Ihre Mitarbeiter dazu?

 

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