Bin ich der beste CEO – oder nur der bequemste?

Ich bin von meinen Mitarbeitern als CEO gewählt worden. Für uns war das damals neu und aufregend – für viele Medien war es ein Grund, mit mir ein Interview führen zu wollen.

 

Hier sind meine Lieblingsfragen – und die Antworten dazu:

 

  1. „Das mit der Wahl ist nicht ganz ernst gemeint, oder doch?“

    Doch, das ist unser Ernst. Es entspricht auch nicht unserer Philosophie, eine Wahl zu fingieren. Sowohl Mitarbeiter als auch Öffentlichkeit würden das schnell bemerken. Wir sehen die Wahl als eine logische Konsequenz unserer demokratisch geprägten Unternehmensführung. Wir erarbeiten schon lange Geschäftsstrategie und Businessplan gemeinsam im Team. Und unsere Mitarbeiter rekrutieren komplett eigenverantwortlich neue Kollegen – sie stellen sogar deren Arbeitsverträge aus. Selbst das Zusammengehen mit der Haufe-Gruppe haben wir demokratisch entschieden. Die Wahl war für uns einfach der nächste sinnvolle Schritt.

     

  2. „Unternehmensdemokratie schön und gut, aber meinen Sie nicht, diese Wahlen gehen ein bisschen zu weit?“

    Das kommt ganz darauf an, mit welchem Verständnis man ein Unternehmen führt. Hätten wir uns aus dem Nichts heraus für eine Wahl entschieden, würde das zu weit gehen, denn eine mitarbeiterzentrierte Unternehmenskultur muss als Basis schon gegeben sein. Wir sehen unsere Organisation als soziales Netzwerk und bringen unseren Mitarbeitern Vertrauen entgegen, weil wir überzeugt sind, dass ihre Mitwirkung bei wichtigen Entscheidungen zu einem besseren Ergebnis führt. Die Mitarbeiter sind direkt am Puls des Marktes und fungieren als eine Art Sensor für das große Ganze. In einem solchen Bild von Organisationen sollen Mitarbeiter auch ihren CEO wählen dürfen.

     

  3. „Können Mitarbeiter überhaupt den besten CEO wählen? Oder entscheiden sie sich nicht eher für den bequemsten?“

    Doch, das können sie! Allerdings hängt die Fähigkeit, den „richtigen“ CEO zu wählen, ebenfalls stark davon ab, wie ein Unternehmen geführt wird. Wenn die Mitarbeiter die Geschäftsstrategie mitgestalten, kennen sie die Unternehmensziele und können besser einschätzen, wie und mit wem sie den Weg dorthin am besten gehen. Die Frage ist auch, was einen guten CEO ausmacht. Ich persönlich halte die Akzeptanz der Mitarbeiter für gleichermaßen relevant wie Können und Erfahrung. Insofern kann ich mir persönlich als CEO keine bessere Voraussetzung wünschen als die, dass meine Kollegen mich unterstützen in dem, was ich tue.Und es ist auch fraglich, ob Auswahlkomitees in Unternehmen immer den besten CEO wählen, und nicht auch den gefälligsten.

     

Und nun meine Frage an Sie, liebe Leser:
Denken Sie, Ihre Mitarbeiter hätten Sie auch in Ihre Position gewählt, wenn die im Rahmen einer demokratischen Wahl besetzt worden wäre?

 

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Kommentare

  1. Herbert Husi am

    Der Umgang mit der CEO Wahl ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark “wir” noch in alten Denkstrukturen verhaftet sind.
    Ich bin froh, gibt es Sie und sie als vorangehendes Beispiel und gratuliere zu dieser Entwicklung. Ich bin mir sicher, da werden noch einige ‘nächste Schritte’ kommen…
    …Viel Erfolg dabei!

    Antworten
    • Marc Stoffel am

      Lieber Herr Husi,

      vielen Dank für Ihr positives Feedback. Erfreulicherweise nehmen immer mehr Unternehmen die Möglichkeit wahr, neue Wege einzuschlagen. Und auch wir planen weitere Schritte – seien Sie gespannt!

      Antworten

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