Das Klopp-Phänomen: Wenn Führung an ihre Grenzen stößt

Das Internet steht Kopf – Jürgen Klopp ist freiwillig zurückgetreten. Der Trainer, der mit seiner Mannschaft so fest verknüpft scheint wie kein anderer. Er ist der Rekordtrainer des BVB und gilt als einer der erfolgreichsten Trainer der Geschichte. Wieso also aufhören?

 

Der Rücktritt – eine emotionale Pressekonferenz

Die Pressekonferenz ließ laut Liveticker von Spiegel Online keinen Zweifel zu: Die Entscheidung ging allein vom Trainer aus. „Als Mensch hätte ich mir gewünscht, dass das nicht zu Ende geht. Dementsprechend schwer fällt es dann zu sagen, dass man Profi ist und so eine Entscheidung dann einfach treffen muss“, so Klopp. Fragen zur Nachfolge durften nicht gestellt werden – allein Klopp sollte im Mittelpunkt stehen. Bedauern auf allen Seiten. Und erneut die Frage: Wieso also aufhören?

 

Wissen, wann es Zeit ist zu gehen

„Der BVB hat es verdient, vom absolut 100 Prozent richtigen Trainer trainiert zu werden“, begründet Jürgen Klopp seine Rücktrittsentscheidung. Sicherlich werden einige ihm vorwerfen, seinen Job nicht zu Ende gebracht zu haben. Umso mutiger finde ich diesen Schritt. Denn es erfordert Größe, sich und der Öffentlichkeit einzugestehen, dass man nicht mehr der Richtige für das Amt ist und es besser geeignete Trainer für die Zukunft der Mannschaft gibt. Aufgrund meiner beruflichen Historie kann ich im Ansatz erahnen, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen sein muss. Und doch hat er zum Wohl seines Teams entschieden. Dazu kann ich diesem Mann nur gratulieren.

 

Ein Abschied in Ehren

Und wer wünscht ihn sich nicht? Den Abschied, der allen Beteiligten schwer fällt. Herr Klopp hat einen Zeitpunkt gewählt, da (noch) alle hinter ihm stehen – Mannschaft, Verein, Fans, Vorstand. Ich könnte auch sagen: Mitarbeiter, Team, Unternehmen, Geschäftsführung. Seine Erfolge stehen nun im Mittelpunkt, nicht sein Scheitern, das möglicherweise irgendwann unvermeidlich geworden wäre. Es herrscht in erster Linie Betroffenheit, kein schlechtes Gerede.

 

Was die Unternehmensführung davon lernen kann

Abdankungen wie diese sind rar, sowohl im Sport, als auch in der Unternehmensführung. Das mag daran liegen, dass wir in einer personenorientierten Gesellschaft leben – Apple verbinden wir mit Steve Jobs, die FDP mit Guido Westerwelle. Und wir schaffen diesen Menschen einen Thron: Alle Menschen auf dem sogenannten 1. Platz werden von uns mystifiziert. So lange bis wir merken, dass auch sie nur Menschen sind, die Fehler machen. Marc Stoffel hat in seinem Beitrag schon einmal die Notwendigkeit angesprochen, Führung zu entmystifizieren.

Der Rücktritt von Jürgen Klopp ist ein gutes Praxisbeispiel hierfür, von dem Unternehmen und Führungskräfte lernen können:

 

  • Einsicht:

Aufhören, wenn man nicht mehr der/die Richtige für den Job ist.

 

  • Kommunikation/Dialog:

Rücktrittsentscheidungen in beidseitigem Einverständnis treffen.

Dem Zurücktretenden als Unternehmen den Rücken stärken.

 

  • Karriere-/Führungsverständnis:

Rücktritt als ein natürlicher Schritt auf dem Karriereweg.

Rücktritt als Stärke betrachten, nicht als Scheitern.

 

  • Zusammenhalt:

Verbundenheit über die Trennung hinaus.

 

  • Fairness:

Erfolge der Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen.

 

Würden wir diese Dinge in der Arbeitswelt stärker beachten, hätten wir bessere Führungskräfte, zufriedenere Mitarbeiter und erfolgreichere Unternehmen.

Gut gemacht, Herr Klopp.

 

Photo Credit: Martin Wessely via Unsplash

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