Disruptive Thinking

Warum Organisationen ein anderes Denken brauchen, das der Zukunft gewachsen ist. 7 Thesen.

Ein Gastbeitrag von Bernhard von Mutius

1) Ich beobachte zur Zeit in vielen Organisationen eine erhebliche Verunsicherung und wachsende Widersprüche. Jeder redet vom digitalen Wandel, viele über disruptive Innovationen. Auf der Oberfläche finden das alle gut und schick. Aber darunter grummelt es. Druck, Erschöpfung, Ängste und viele Fragen: Was heißt das eigentlich – und was heißt das für uns? Wo geht die Reise hin? Laufen wir nur nach? Kommen wir noch mit? Sind wir mit dabei?

2) Das Wort „Disruption“ ist seit einiger Zeit im Management in aller Munde. Doch es wird ganz unterschiedlich verwendet. Mal seriös und mal weniger seriös – aufgepumpt mit Marketingversprechen. Mal in einer engen, mal in einer weiteren Interpretation. Gerade weil dies so ist, brauchen wir eine Klärung, was damit gemeint sein könnte. Eine Reflexion der Disruption. Und zugleich die praktische Unterstützung für Führung und Organisation, mit dem disruptiven Wandel besser, realistischer und verantwortlicher umzugehen. Das verstehe ich unter Disruptive Thinking.

3) Disruptive Thinking macht um die möglichen negativen, zerstörerischen Seiten der digitalen Transformation (und um die damit verbundenen Ängste vieler Menschen) keinen Bogen, sondern fasst sie ins Auge. Nur wer sie anschaut, wird sie meistern und die positiven Seiten voll entfalten können. Das ist gerade für das Thema Führung, speziell für die Personalführung relevant. Disruptive Thinking ist vorbeugende schöpferische Störung – mit dem Ziel, unheilvolle Zerstörungen abzuwenden und in der Organisation neues, kreatives Vertrauen zu fördern.

4) Disruptive Thinking heißt zunächst: Umbrüche, Brüche, nichtlineare Entwicklungen denken zu können. Und nicht zu glauben, das geht gleich vorüber. Nein, das geht nicht gleich vorüber. Denn die gegenwärtige Transformation ist nicht nur eine technologische, digitale. Sie ist auch eine soziale und kulturelle und verändert massiv unser Denken und Verhalten. Sie ist tatsächlich eine Revolution. Ich nenne sie die „Kreative Revolution“.

5) Wenn sie heute irgendwo von Digitaler Transformation sprechen, werden sie überall auf Zustimmung stoßen. Alle nicken. Sie tun so, als wüssten sie genau, was morgen passieren wird, wenn man nur die richtigen Technologien und Geschäftsmodelle einsetzt. Kreative Revolution sagt: Wir haben keine Ahnung, was in 5 oder 10 Jahren passieren wird. Die digitalen Technologien – die gerade erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen – sind nur die Bedingung der Möglichkeit. Um sie zu entfalten, brauchen wir menschliche Kreativität, Schöpferkraft – in einem bisher nicht geahnten Ausmaß. Überall, in der Umwelt, für die Nachhaltigkeit, in Schule, Ausbildung, Unternehmen, Politik.

6) Disruptive Thinking ist die Kunst und Disziplin für diese Revolution. Es ist die Kunst und Disziplin, mit tiefgreifenden Brüchen und Widersprüchen souverän, kreativ und produktiv umzugehen.

Disruptive Thinking ist Querdenken ohne Geländer.

Es akzeptiert das Nichtwissen im Wissen.

Es ist experimentell.

Es ist nicht linear.

Es versteht etwas vom Dilemma der Innovatoren.

Es setzt auf vernetzte, agile Teams und weiß um die Beharrungskräfte der alten Organisation.

Es ist schöpferisch und zugleich verantwortungsvoll.

7) Disruptive Thinking kann man lernen und professionalisieren. So wie man Systemisches Denken und Design Thinking lernen kann, auf deren guten Ideen Disruptive Thinking aufbaut.

Es folgt dabei drei pragmatischen Imperativen:

Erstens: Sei überraschend einfach!

Zweitens: Brich Routinen!

Drittens: Stärke die Menschen!
image001Bernhard von Mutius ist Zukunftsdenker, Führungscoach, Senior Advisor und Mitglied im Teaching Team der HPI School of Design Thinking. www.vonmutius.de. Er gehört zu den Pionieren des Disruptive Thinking im deutschsprachigen Raum. Und er gehörte zu den ersten, die die digitale Transformation in ihren Grundzügen analysiert haben: https://arbeitmorgen.wordpress.com/2016/05/04/wie-wir-heute-denken-entscheidet-darueber-wie-wir-morgen-arbeiten-und-leben-werden-teil-1/

Voraussichtlich im Herbst 2017 erscheint sein neues Buch: Disruptive Thinking. Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist.

 

 – 1. Juli 2016

Photo Credit: alphaspirit via fotolia

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