Eine besondere Wahl

Die Wahl des Managers und Leaders eines Teams ist eine verantwortungsvolle und auch besondere Aufgabe. Wenn man selbst Manager eines Teams ist, ist die Entscheidung sich zur Wahl zu stellen, zudem aufregend, spannend und auch ehrfürchtig.

Als wir uns Anfang November recht spontan entschieden haben, ab kommenden Jahr wieder als ein gemeinsames Vertriebsteam zu agieren und nach aussen aufzutreten, war mir schnell bewusst, dass mir eigentlich keine Wiederwahl sondern eher eine Neuwahl bevorstünde. Diese Einsicht wurde sehr schnell von der Überraschung eingeholt, als bei der Nominierung potentieller Manager mein Name fiel.

Die Tage nach der Nominierung habe ich mit vielen Gesprächen verbracht. Kollegen, Freunde und Arbeitskollegen spiegelten mir meine Fähigkeiten, mögliche Herausforderungen und auch Chancen wider. Es blieb die innere, ständig wiederkehrend Frage – traue ich mir das zu? Schaffe ich dass was ich im Kleinen erreicht habe, auch in einem grösseren Team? Was wissen die anderen aus dem Team überhaupt von mir? Welche Erwartungen sind vorhanden?

Parallel zu meiner Grübelei trudelte mein Ergebnis zur Wahl vom Team channel sales & partners ein, welche ich vor der Entscheidung bereits aufgegleist hatte. Bestätigt von dem vielen positiven Feedback und in Kombination mit dem erlebten Workshop im zukünftigen Vertriebsteam, entschied ich mich, die Nominierung anzunehmen und mich zur Wahl zu stellen. Ich war erleichtert… kurzzeitig.

 

Der Wahlkampf

Neben mir gab es einen weiteren Kollegen, der zwischenzeitlich als Manager nominiert und zur Wahl aufgestellt wurde. Die anfängliche Überraschung legte sich und eine Art Kampfsituation baute sich auf. Jetzt ging er los – der Wahlkampf.

Ein innerlicher Wettstreit, ein permanenter Abgleich der Fähigkeiten & Kompetenzen, ein besser hier & ein schlechter dort, ein vorsichtiges Herantasten an potentielle Kritiker… Und ich glaube es ging nicht nur mir so. Ich weiss nicht, ob es Einbildung war, jedoch habe ich diese Wochen als sehr emotional in unserer Firma erlebt. Dieses Gefühl war mir in meinen sieben Jahren bei Haufe-umantis noch nicht widerfahren. Ich glaube, am Ende hat es uns erfahrener, reifer gemacht und auch irgendwie unsere Firmenkultur geprägt.

Dennoch musste jeder für sich mit der Situation, zur Wahl zu stehen oder zu wählen, allein zu Recht kommen. Jede Handlung wurde abgewogen, jedes Wort bewusster gewählt und jede Reaktion interpretiert.

Für mich stand fest, dass ich zur eigenen Sicherheit eine Alternative erarbeiten musste. Zu wissen, welchen anderen wertvollen Beitrag man im Team leisten kann und welche persönlichen Stärken eingesetzt werden können, gibt enorme Sicherheit und ich würde es jedem zukünftigen Nominierten weiterempfehlen.

 

Die Wahl

Als sich der Wahltag näherte, fühlte ich mich leicht und sicher. Nicht sicher, dass ich gewinne, sondern sicher, dass ich, egal was passiert, meinen Platz im Team finde werde. Je näher wir uns dem Wahltermin näherten, desto nervöser wurde ich. Einfach so, gegensteuern sinnlos. Ich fühlte mich wie aufgezogen, in der Warteschlange stehend, bis mich endlich die Bekanntgabe der Stimmenauszählung aus dieser Verkrampfung löste. Das Wahlergebnis war deutlich – 3:5 verloren, nicht gewonnen, keine Manageraufgaben mehr im nächsten Jahr. Erlöst!?

 

Natürlich würde ich lügen, wenn ich sage, dass das Ergebnis nicht im ersten Moment wehtat. Es tat weh. Immerhin habe ich verloren. Man überlegt auch, was man im Vorfeld hätte anders machen können – intensiveren Wahlkampf, auf Stimmenfang gehen, Werbung für die eigene Leistung machen… Selbstverständlich habe ich mir sorgfältig das Feedback zur Wahl durchgelesen, die Argumente mehrheitlich nachvollzogen und akzeptiert. Die positiven Aussagen motivierten mich und halfen, auch die Niederlage zu verdauen. Aber erlöst von der Anspannung und der Grübelei war ich vorerst nicht.

Tatsache ist, ich brauchte wirklich etwas Zeit. Zudem Gespräche und auch liebe Kollegen, die mich aufgemuntert haben. Ein Kollege sagte: „Wo eine Tür zugeht, geht eine andere wieder auf.“ So trivial es klingt, aber es stimmt!

Mit der Überzeugung, dass ich eine gute Managerin war und sein werde, habe ich mich meiner Alternative besonnen. Ich fühle mich erleichtert, weil der emotionale Druck weg ist und ich mich wieder normal verhalten konnte, ohne Angst zu haben, ein Wahlergebnis damit zu beeinflussen. Es macht Spass, die Aufgaben jetzt neu zu überlegen und im nächsten Jahr mit dem Team zu definieren.

Es sind nun bereits einige Wochen seit der Wahl vergangen und es fühlt sich wieder gut an. Keine Anspannung mehr, keine Grübeleien, kein verstelltes Verhalten. Die Zusammenarbeit läuft, die Übergabe ist geplant und auch mein eigener Fokus ist neu ausgerichtet. Und wer weiss, vielleicht öffnet sich noch die eine oder andere weitere Tür…

 

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