Für das Leben lernen - HAUFE Vision Blog

Für das Leben lernen – Selbstorganisation in einer Berliner Schule

Berliner Schule als Labor für die lernende Organisation

Wie funktioniert Selbstorganisation in der Evangelischen Schule Berlin?

Eine Schule als Labor für eine lernende Organisation: Das ist der Anspruch der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Hier werden die Schüler als Subjekte ihrer eigenen Lernprozesse ins Zentrum gerückt. Lernen erfolgt selbstbestimmt und selbstorganisiert. Denn die Schüler können jeden Tag eigenständig entscheiden, was sie wann, wie und mit wem lernen wollen. In sogenannten Lernbüros erarbeiten sie sich die Grundlagen Deutsch, Englisch, Mathematik sowie Natur und Gesellschaft. Jedes dieser Lernbüros besteht dabei aus einzelnen Bausteinen, die innerhalb von drei Jahrgangsstufen bearbeitet werden müssen. Eine festgelegte Reihenfolge gibt es nicht. Besondere Begabungen der Schüler werden zusätzlich in wöchentlichen Werkstätten mit Pflicht- und Wahlbereichen intensiviert. Hier geht es unter anderem um musisches/künstlerisches Lernen, Bewegung, Forschen, Weltreligionen, Agenda 21 sowie Fördern und Fordern.

Der Unterricht findet jahrgangsübergreifend statt, wobei je drei Klassen eine „Schule in der Schule“ bilden. Jede Klasse hat zwei Klassenlehrer für insgesamt 26 Kinder. Die Lehrer verstehen sich als Lernbegleiter und Tutor für jeweils 13 Schüler und arbeiten als Kleinteam zusammen. Als Gemeinschaftsschule steht die individuelle Förderung der Kinder im Vordergrund, eine Differenzierung in verschiedene Leistungsstufen gibt es nicht. Eine weitere Besonderheit: Werte wie Herausforderung und Verantwortung werden als eigene Fächer unterrichtet, um diese bei den Schülerinnen und Schülern zu festigen.

 

Welche Chancen bieten sich durch die Selbstorganisation?

Im individualisierten Lernsystem der Evangelischen Schule Berlin ersetzen kooperative Arbeitsformen und selbstbestimmtes Lernen den klassischen Frontalunterricht. So lernen die Schülerinnen und Schüler bereits in jungen Jahren selbstständiges Arbeiten, etwa indem sie in einem verpflichtenden Lernbüro wie Deutsch ihre Lektüre selbst wählen können und müssen. Die eigenverantwortliche Beschäftigung der Schüler mit Themen, die sie wirklich interessieren, steigert ihre Motivation und führt dazu, dass sie schon früh eigene Interessen entdecken und vertiefen. Fächer wie „Herausforderung“, in denen die Schüler einmal im Jahr mit einem begrenzten Budget drei Wochen außerhalb Berlins „überleben“ müssen, bereiten die Kinder aufs „richtige“ Leben vor und begegnen so gängiger Kritik am herkömmlichen Schulsystem. Zudem lernen die Kinder und Jugendlichen, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, indem sie sich im Rahmen des Unterrichts in soziale Projekte einbringen. So werden sie zu integren Persönlichkeiten erzogen.

 

Welche Herausforderungen hat die Evangelische Schule Berlin?

Selbstorganisiertes und eigenverantwortetes Lernen kann für Kinder eine große Chance darstellen, sie jedoch auch überfordern. Zwar geben sogenannte Logbücher, in denen verpflichtende Unterrichtsinhalte aufgeführt sind, den Kindern eine Struktur vor, eine qualifizierte Weiterentwicklung scheint jedoch nicht automatisch gewährleistet. Zudem können einige Aspekte der in klassischen Schulen vermittelten Allgemeinbildung auf der Strecke bleiben.

Gute oder gar verbesserte Leistungen der Schüler könnten außerdem ein Artefakt des Systems sein. Der Rosenthal-Effekt (auch: Pygmalion-Effekt) beschreibt ein solches Phänomen: Lehrer, die Schüler bereits vorab positiv einschätzen, wenden sich diesen meist verstärkt zu, indem sie beispielsweise länger auf die Antwort dieser Schüler warten oder sie verstärkt loben. Dieses Verhalten der Lehrer führt am Ende tatsächlich zu erhöhten Leistungen der subtil geförderten Schüler. Das fanden Rosenthal und Jacobson bereits 1965 in einem Experiment heraus. Entsprechend wichtig ist eine qualifizierte, unvoreingenommene Lernbegleitung der Schüler, wobei die Lehrer in den regelmäßigen Tutor-Gesprächen gezielt als Coach der Schüler agieren und sowohl spezifische Fach- als auch Metakompetenzen angemessen fördern.

 

Was macht die Evangelische Schule Berlin sonst noch?

In der Schule wird besonders viel Wert auf Wertschätzung gelegt. Dies spiegelt sich auch in der Leistungsrückmeldung wider, die auf differenzierte Weise in Dialogen, Lernprozessreflexionen, Selbsteinschätzungen und weiteren individuellen Rückmeldungen stattfindet.

Die Schule setzt auf Lernen mit digitalen Medien und verwendet eine Lernplattform, die zur Kommunikation und dem Austausch von Materialien genutzt werden kann. Erst im Jahr 2015 wurde ein Projekt der Evangelischen Schule im Rahmen eines Programms zum Thema „Digitale Bildung neu denken“ mit dem 2. Platz ausgezeichnet.

 

Über die Berliner Schule

Die Evangelische Schule Berlin Zentrum ist eine Gemeinschaftsschule der Agenda 21 – dem entwicklungspolitischen Aktionsprogramm fürs 21. Jahrhundert. Das pädagogische Grundverständnis der Schule basiert auf der Wertschätzung von Vielfalt. Getragen von einer Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Berlin können alle Kinder und Jugendliche, ungeachtet ihrer Konfession, diese Schule besuchen.

 

Weiterführende Links

Evangelische Schule Berlin Zentrum
Schule im Aufbruch
Portrait Evangelische Schule Berlin Zentrum
Wikipedia: Agenda 21

 

Mehr zu unserer Reihe “New Work Experiences”:

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