Expertenwissen interdisziplinär gedacht

Beschreibung der Methode & Hintergrund

etventure hat als Digitalberatung und Company Builder Ende 2017 das Konzept sogenannter „Gilden“ eingeführt. Das Ziel dabei: Die Firma möchte sich in verschiedenen Fach- und Themenbereichen weiterbilden und -entwickeln, Tools und Technologien im Selbstversuch testen und daraus neue Lösungen für ihre Kunden erarbeiten. Hier soll es darum gehen, aus dem gängigen Silo-Denken auszubrechen, die lernende Organisation im gesamten Unternehmen zu fördern und dadurch unternehmerisches Handeln zu stärken. Die Gilden bilden somit das Vehikel, mit dem individuelles theoretisches Detailwissen zusammengeführt und durch gemeinschaftliche Handlung zum Nutzen des Kunden verarbeitet wird.

Die Idee der Gilden als solche – mit dem Ziel, Wissen überall im Unternehmen zugänglich zu machen – ist nicht neu und wird bereits erfolgreich (jedoch in anderem Unternehmenskontext) von Unternehmen wie beispielsweise Spotify eingesetzt. Etventure nutzt Gilden jedoch in einer wesentlich aktiveren Rolle und konzentriert sich auf eine crossfunktionale Zusammensetzung der Gilden-Teams und einen unternehmerischen Ansatz: Das Ziel einer jeden Gilde ist es, einen Mehrwert für den Kunden zu generieren, nicht die Generierung von Wissen und Spezialisierung als Selbstzweck.

Die Gilden stehen jedem Mitarbeiter bei etventure offen – egal in welchem Unternehmensbereich dieser tätig ist. Gerade diese bewusst heterogene Zusammensetzung der Teams ermöglicht es dem Unternehmen, Themen in einem neuen Kontext zu betrachten, zu bearbeiten und so neue Ideen und Zusammenhänge zu entwickeln. Es besteht allerdings keine Pflicht, einer Gilde beizutreten. Die Mitarbeiter, die sich hier beteiligen, sind selbst von ihrem Thema begeistert und glauben daran, durch ihre Teilnahme einen Mehrwert für Kunden und das Unternehmen zu generieren. Ihnen steht dabei ein festes Zeitkontingent und finanzielles Budget zur Verfügung. Die Leistung der Gilden wird anhand der Unternehmenswerte regelmäßig durch alle Mitarbeiter sowie ein entsprechendes Gremium evaluiert.

Wie bei so vielen Unternehmen, lässt es auch das Tagesgeschäft bei etventure häufig nicht zu, dass man sich konsequent und strukturiert in neue Themen und Technologien einarbeitet. Deshalb versteht sich bei der Digitalberatung jeder Mitarbeiter als Innovationstreiber – auch weil sie als Digitalberatung gegenüber Kunden einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung im Bereich Innovation und Technologie wahren müssen. Dazu kommt, dass innerhalb der Projektarbeit oftmals Bedarf an Spezialwissen entsteht, Experten dafür aber nicht (schnell genug) identifiziert werden können oder nicht zur Verfügung stehen. Deshalb stand die Suche nach einem Konzept im Vordergrund, durch das Wissen aufgebaut und geschäftsrelevante Themen wie Machine Learning, Plattformökonomie, das Internet der Dinge oder auch Future of Work in interdisziplinären Teams bearbeitet werden können, die ihr Wissen wiederum schnell zur Verfügung stellen können – sowohl intern als auch extern. Gilden sind hierfür eine innovative Form der Zusammenarbeit.

 

Unternehmerischer Mehrwert von Gilden: Wirkung nach innen und außen

Da die Gilden den Überblick und Zugriff auf Experten, Umsetzungspartner und Startups in ihrem Bereich haben, können sie die Projektarbeit mit dem Kunden innerhalb dieser Themenfelder flexibel unterstützen. Dadurch hat die Arbeit der Gilden direkten Einfluss auf das Geschäft und damit eine große Bedeutung für das Unternehmen. Nicht zuletzt kultivieren die Gildenmitglieder ihr Expertenwissen nicht nur innerhalb der Projektarbeit, sondern positionieren sich auch mithilfe des Unternehmensblogs oder bei Veranstaltungen extern als Thought Leader.

Auch intern ergeben sich durch die Gilden Vorteile bei etventure: Die Möglichkeit, eigene Interessen zu verfolgen und sich über die eigenen Kernaufgaben hinaus zu engagieren und einzubringen, steigert die Motivation der Mitarbeiter. Zudem fördert die Arbeit der Gilden auch den Austausch über Unternehmensbereiche, Abteilungen und Standorte hinweg. Hinzu kommt, dass sich diese Gestaltungsfreiheit sehr positiv auf die Ansprache neuer Talente auswirkt. Denn Flexibilität und Offenheit werden heute von Mitarbeitern oft als entscheidendes Kriterium bei der Berufswahl gewertet.

 

Tipps zur Einführung dieser Methode im eigenen Unternehmen

Für die Etablierung des Gilden-Systems existieren drei unverzichtbare Grundvoraussetzungen an das Wertesystem des Unternehmens:

  1. Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter: Das Unternehmen gibt ein Stück Kontrolle ab, indem es den Teams – zunächst sogar ohne individuelle Freigabe – Budget und Zeit für die Arbeit einräumt.
  2. Mut zum Scheitern: Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg, sondern eine wertvolle Erkenntnis über eine Option, die nicht funktioniert hat. Dies darf jedoch kein Lippenbekenntnis sein, sondern muss im Unternehmen auch so gelebt werden.
  3. Der Glaube an Vielfalt (Diversität) und Eingebundenheit (Inklusivität): Bei Diversität geht es um Unterschiede. Individuelle Stärken und Schwächen müssen geschätzt und respektiert werden. Um im Rahmen des gesellschaftlichen Wandels erfolgreich zu sein, ist eine agile und vielfältige Belegschaft ein entscheidender Faktor, um wettbewerbsfähig zu bleiben und sich an die sich rasch verändernde Marktdynamik anzupassen. Inklusivität heißt hier, diese Unterschiede bewusst zu nutzen, um bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen. Es geht aber auch darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem alle Mitarbeiter wertgeschätzt werden und sich vor allem auch wertgeschätzt fühlen.

 

Herausforderungen bei der Konzeptumsetzung

Für etventure lag eine der größten Herausforderungen darin, die Mitarbeiter zu ermutigen, das ihnen eingeräumte Zeitbudget auch wirklich zu nutzen. Zeit für die Gilden anstatt für Kundenprojekte einzufordern, war am Anfang für viele Mitarbeiter eine große Überwindung.

Auch das Thema Führung führte anfangs zu Unsicherheiten. Den Leads der Gilden oblag die Herausforderung, ein wechselndes Team in einem disruptiven Aufgabenumfeld zu steuern: Das Team muss agil arbeiten und sich selbst organisieren können. Das Maß des Erfolges sollte dabei nur am Outcome und nicht am Output gemessen werden.

 

Reflexion & Ausblick

Das Arbeitskonzept einer Gilde hat das Potenzial, enorme Kräfte freizusetzen. Mitarbeiter machen die Erfahrung, dass ihre Meinung wertgeschätzt wird und sie selbst in die Geschicke des Unternehmens eingreifen können. Die ersten Reaktionen auf die Organisation in Gilden war sehr positiv und der Ansturm enorm – was die Koordination für die Leads stark erschwerte. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit und mit gewonnener Arbeitserfahrung haben sich die Gilden jedoch wieder «gesundgeschrumpft». Es zeigte sich, dass viele Mitarbeiter an einem Thema interessiert sind und auch immer informiert sein wollen, jedoch nur ein kleiner Kreis so für das Thema brennt, dass diese dabei aktiv mitwirken wollen.

Das Konzept der Gilden ist eine Methode, die es ermöglicht, gemeinsam und agil mit unternehmerischer Kraft anhaltende Werte für Wirtschaft und Gesellschaft zu erarbeiten. Aus diesem Grund werden die Gilden nach heutigem Stand – etwa ein halbes Jahr nach ihrer Einführung –  von etventure bereits als voller Erfolg angesehen.

 

 

 

Mehr zu unserer Reihe “New Work Experiences”:

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Dieser Beitrag wurde von Doris Bärtle über etventure verfasst und von uns redaktionell betreut.

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