Feedback ist die neue Währung in Unternehmen

Feedback ist die neue Währung in Unternehmen

„Nichts gesagt, ist genug gelobt“ – dies ist offensichtlich der Leitspruch vieler Führungskräfte. Zahlreiche Studien zeigen, dass Feedback in vielen Unternehmen immer noch auf das jährliche Mitarbeitergespräch beschränkt ist. Dabei wünschen sich fast 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer häufiger Rückmeldungen zu ihren Leistungen, Tendenz – insbesondere unter der Gen Y – steigend. Ein weiteres Ergebnis der Befragungen: Feedback wird in vielen Unternehmen immer noch ausschließlich top-down gegeben. Dabei beklagt knapp ein Viertel der Führungskräfte ausbleibende Rückmeldungen ihrer Mitarbeiter. Besonders augenscheinlich wird der berufliche Mangel an Feedback durch den starken Gegensatz zum Privatleben. Wir bewerten Restaurants, Online-Einkäufe und Ärzte in Echtzeit und erfahren Feedback als die neue Währung des digitalen Zeitalters. Kein Wunder also, dass Mitarbeiter und Führungskräfte kaum mehr akzeptieren, dass sie im Job nur einmal jährlich erfahren, wo sie stehen.

 

Neue Organisationsformen benötigen neue Feedback-Formen

Der Wunsch nach kontinuierlichem 360-Grad-Feedback entspricht jedoch nicht nur den Bedürfnissen insbesondere jüngerer Mitarbeiter, sondern auch den zunehmend agilen Organisationsformen in Unternehmen. Wenn Hierarchien schwinden und Mitarbeiter eigenverantwortlich in verschiedenen Projekten tätig sind, fällt es Vorgesetzten zunehmend schwerer, substanzielles Feedback zu geben. Zudem wächst mit der Veränderungsgeschwindigkeit in Unternehmen auch die Bedeutung von unmittelbarem Feedback. In einer agilen Organisation ist Scheitern erlaubt – aber man muss schnell erkennen, ob eine Idee wirklich gut ist und die richtigen Rückschlüsse aus Fehlern ziehen. Dazu ist es unerlässlich, von verschiedenen Stakeholdern zeitnah Rückmeldungen zu bekommen. Zugleich ist kontinuierliches Feedback in agilen Organisationen ein probates Mittel lateraler Führung. Wenn Project Owner ohne disziplinarische Weisungsbefugnis mit Kollegen zusammenarbeiten, können sie das Verhalten der Teammitglieder durch unmittelbares Feedback zielgerichtet im Sinne des gemeinsamen Projekts und des Teams beeinflussen. Wenn die Hierarchie als Machtquelle entfällt, treten weiche Faktoren wie Feedback an ihre Stelle.

 

Feedback-Apps – für das schnelle Feedback zwischendurch

Eine mögliche Lösung für eine offene Feedbackkultur sind Apps, die es jedem Mitarbeiter jederzeit erlauben, etwa nach Meetings oder Projekten Feedback von Kollegen und Vorgesetzten einzuholen oder zu geben. Bei der US-Großbank JP Morgan Chase nutzen die 243.000 Mitarbeiter etwa so eine App, um sich gegenseitig ihre Leistung zu spiegeln. Die bisherige Erfahrung zeigt: Die Einführung der Lösung bedeutet weitaus mehr als die Implementierung einer weiteren Software im Unternehmen. Wenn die Bewertung der Jahresleistung nicht mehr nur in einem Gespräch mit der Führungskraft abgehandelt wird, sondern kontinuierlich durch Kollegen und Vorgesetzte stattfindet, bedeutet dies einen tiefgreifenden kulturellen Wandel. Ein Tool allein wird diese kulturelle Veränderung aber nicht herbeiführen. Vielmehr haben wir in vielen Kundenprojekten gelernt, dass die Organisation und die Mitarbeiter zusätzlich befähigt werden müssen, eine offene Feedbackkultur zu leben.

 

Instant Feedback ersetzt kein Performance Management

Instant Feedback Apps können ein Bestandteil des Performance-Managements im Unternehmen sein, müssen aber nicht zwangsläufig an die entsprechenden Systeme angebunden sein. Wenn HR oder Führungskräfte auf Basis des Feedbacks Mitarbeiter beurteilen oder Boni auszahlen, können gegebenenfalls Hemmschwellen für ehrliche Leistungsbeurteilungen entstehen. Schließlich möchte niemand die Verantwortung dafür übernehmen, dass der nette Kollege die langersehnte Beförderung doch nicht bekommt. Instant Feedback Apps können also nur ein Bestandteil einer Feedbackkultur sein und müssen in einen Kanon aus verschiedenen anderen Maßnahmen eingebettet werden.

 

Feedback ist die neue Währung in Unternehmen - Performance Management

 

Instant Feedback als Produktivitäts-Booster für Meetings

Lange Monologe der immer gleichen Kollegen und wenig sachdienliche Diskussionen zu Nebenkriegsschauplätzen: Meetings können effektiv sein, sind es oft aber nicht. Laut einer Studie verschwenden Führungskräfte wöchentlich 9,1 Stunden mit Treffen, die wenig produktiv sind. Abhilfe kann hier unmittelbares Feedback nach dem Meeting bringen: Hat ein Kollege ergebnisorientiert mit guten Beiträgen geglänzt, bestätigt ihn die positive Rückmeldung. Erhält ein Teilnehmer jedoch konstruktive Kritik, weil er einen Termin unnötig in die Länge zog, führt dies idealerweise zu kritischer Reflexion und einer Verhaltensänderung.

 

Feedback ist die neue Währung in Unternehmen - Produktivitäts-Booster für Meetings

 

Instant Feedback als Stimmungsbild der Organisation

Was für Mitarbeiter gilt, gilt genauso für die Organisation: Regelmäßiges Feedback kann helfen, Schmerzpunkte zu identifizieren und Mitarbeitermotivation sowie die Leistungsfähigkeit des ganzen Unternehmens zu erhöhen. Sinnvoll ist es also, wenn mit einer Instant Feedback App nicht nur persönliche Rückmeldungen, sondern auch regelmäßige Kurzumfragen zum Stimmungsbild der Organisation möglich sind. Dies unterstützt eine offene Feedbackkultur und das Management erhält schnell und einfach steuerungsrelevante Hinweise für die Unternehmensführung.

 

Feedback ist die neue Währung in Unternehmen - Stimmungsbild der Organisation

Feedback gilt vielen als Kompass bei der eigenen Standortbestimmung. Was denken Sie: Wird Feedback überschätzt oder ist es wichtiges Korrektiv und hilfreiches Mittel für laterale Führung?

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Kommentare

  1. Michael Leitl am

    Sehr geehrter Herr Münster,
    vielen Dank für den Einblick in Ihr Feedback-Konzept.
    Feedback ist sicher wichtig – aber es auf eine App zu reduzieren ist möglicherweise eher eine zweischneidige Sache.
    Zum einen halte ich Feedback verbal für wirkungsvoller als per Mausklick. Zum anderen glaube ich daran, dass man besser die Struktur von Meetings ändern sollte, wenn sie als mühsam empfunden werden, als jede Zusammenkunft zu einer Bewertungsrunde zu machen.
    Meetings lassen sich ja auf vielfältige Weise organisieren: etwa, dass es ohne ausgefüllte Agenda nicht stattfindet, reduzierte Dauer (statt obligatorisch 1 Stunde reicht oft ja ein 15 min Austausch), keine inhaltlichen Vorträge (kann man auch vorher lesen) sondern nur Entscheidungsdiskussion, und vieles mehr.
    Insofern halte ich eine solche App für sinnvoll, um aufzudecken, wie Meetings wahrgenommen werden – um dann daraus Konsequenzen zu ziehen. Aber nicht als dauerhaftes Werkzeug.
    Was meinen Sie? Mich würde interessieren, wie Ihre Kollegen mit dem Tool umgehen. Wie intensiv wird es genutzt? Welche Konsequenzen folgen daraus?

    Beste Grüße
    Michael Leitl – Harvard Business Manager

    Antworten
  2. Bernhard Münster am

    Sehr geehrter Herr Leitl,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu – Feedback lässt sich nicht auf eine App reduzieren. Es ist aber sinnvoll, sie als Element im Wandel hin zu einer funktionierenden Feedbackkultur zu nutzen. Denn wie in allen Transformationsprozessen wirkt Software unterstützend. Tatsächlicher Wandel vollzieht sich jedoch erst, wenn man alle drei Dimensionen gemeinsam orchestriert – also Mitarbeiter befähigt, Technologien implementiert und die Prozesse entsprechend anpasst.

    Dafür müssen wir gerade Feedback vielmehr in unser Tagesgeschäft integrieren, weil sich nur so die tatsächliche Schmerzpunkte unserer Zusammenarbeit offenbaren – in Strukturen wie auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Zusätzlich zu persönlichem Feedback, für das leider in der Hektik des Alltags nicht immer Zeit ist, kann eine App viel erreichen. Sie ist eine Schnittstelle zwischen Technologie und Mitarbeiter. Und genau deshalb ist sie meiner Meinung nach mit die beste Möglichkeit, Veränderung zu unterstützen. Denn es gibt so gut wie keine Einschränkungen in der Anwendung: Sie ist interaktiv, einfach und schnell zu benutzen und in ihrer Einfachheit leicht in den Alltag integrierbar.

    In einer ganzheitlichen Strategie für einen Kulturwandel, die unter anderem das Festlegen von Feedbackprinzipien oder die von Ihnen genannte Optimierung von Meetingstrukturen beinhaltet, kann dies Wunder wirken. Das hat sich für uns in diversen Pilotprojekten bestätigt. Einerseits erhalten die Mitarbeiter wertvollen Input für ihre persönliche Weiterentwicklung, wodurch unter anderem die Zufriedenheit der Teams steigt. Andererseits erreicht man alle Beteiligten direkt und erhält einen ungefilterten Einblick in den Veränderungsprozess. Möglich wird das durch die integrierte Umfragefunktion, mit der wir in regelmäßigen Abständen den Status Quo des Projekts betrachten und dann in direkter Absprache mit dem Steering Committee des Kunden Unebenheiten in Prozessen glätten können. So beziehen wir alle Beteiligten gleichermaßen ein, monitoren gezielt den Wandel und etablieren eine ehrliche und transparente Feedbackkultur.

    Ich hoffe, das beantwortet Ihre Fragen. Falls Sie noch weitere offene Punkte haben, können wir uns gerne auch in einem persönlichen Gespräch dazu austauschen. Hätten Sie möglicherweise Interesse unsere App zu testen, um die Breite der Funktionen selbst auszuprobieren?

    Beste Grüße
    Bernhard Münster

    Antworten

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