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Gleichberechtigung ja, Frauenquote nein

Ich will keine Quotenfrau sein – und kenne auch sonst keine Frau, die diese Vorstellung angenehm findet. Aber ganz unabhängig von persönlichen Befindlichkeiten halte ich von der Frauenquote nichts. Warum ich so denke, möchte ich gerne erläutern:

 

1. Die Frauenquote führt zur Ungleichbehandlung.

Mit der Frauenquote führen wir eine umgekehrte Diskriminierung ein. Frauen werden bevorzugt und gefördert, Männer benachteiligt, selbst wenn sie im konkreten Fall die bessere Wahl wären. Wir wollen eine Gleichberechtigung, keine Umverteilung der Ungleichbehandlung.

Dementsprechend negativ ist auch die gesamte Wahrnehmung der Frauenquote, denn: Während Männer die Frauenförderprogramme häufig als starke Benachteiligung empfinden, stufen nur wenige Frauen sie als entscheidenden Vorteil ein.

 

 2. Die Frauenquote reduziert die Frau auf ihr Geschlecht.

Eine Frau hat weit mehr zu bieten, als die Eigenschaften, die ihr aufgrund ihres Geschlechts zugesprochen werden und sie darauf zu reduzieren, ist diskriminierend und deshalb auch nicht zielführend.

Erfolgreiche Teams und erfolgreiche Führung sind nicht Ergebnis einer Geschlechterfrage – vielmehr sind Diversität und Eignung gefragt. Wir müssen generell da hinkommen, dass wir Positionen nach den Fähigkeiten vergeben, die das Unternehmen braucht und Teams nicht nach homogener Bequemlichkeit oder Seilschaften zusammenstellen. Denn gemischte Teams sind nachweislich erfolgreicher. Das betrifft aber nicht nur die obersten Führungsgremien, sondern greift bereits im mittleren Management.

 

3. Die Frauenquote löst keine Probleme.

Ich beobachte eine problematische Entwicklung: Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit löst sich zunehmend auf. Mir ist nicht ein CEO bekannt, der nicht seine gesamte Energie unabhängig von Tageszeit und Wochentag in seinen Job steckt und ich sehe keinen davon wegführenden Trend. Im Gegenteil: die ständige Verfügbarkeit ist selbstverständlich geworden. Das ist weder gesund, noch ist es mit den gängigen Familienmodellen vereinbar. Ich verstehe, dass viele Frauen – im Übrigen auch viele Männer – ihr Privatleben nicht hinten anstellen wollen oder können. Daran kann aber auch eine Frauenquote nichts ändern. Wir brauchen andere Unternehmens- und Gesellschaftsstrukturen und wir brauchen Frauen und Männer, die bereit sind, diese zu verändern.

Die gute Nachricht ist, dass mit der jüngeren Generation ein selbstverständlicheres Denken auf den Arbeitsmarkt kommt. Ich persönlich kenne niemanden unter 40, der Frauen weniger zutraut als Männern. Vielleicht schafft die jüngere Generation, was schon lange fällig wäre: Das Verständnis, dass am Ende einzig die Eignung zählt, egal ob sie in männlicher oder weiblicher Form daher kommt. Und dann müssen wir auch nicht mehr über Quoten reden, so wie wir heute auch nicht mehr über das Frauenwahlrecht diskutieren.

Frauenquote – ja oder nein?  Wer profitiert von einer Frauenquote – oder verlieren wir am Ende alle? Ich freue mich auf Ihre Meinungen.

 

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Kommentare

  1. Christoph Pause am

    Die Frauenquote soll 30% weibliche Aufsichtsräte bei Großunternehmen sicherstellen. Mit anderen Worten: Nach einem halben Jahrhundert mehr oder wenig gelebter Gleichberechtigung ist immer noch nicht einmal jeder dritte Aufsichtsratsposten bei Konzernen von einer Frau besetzt. Und da ruft man hier wirklich Achtung!! wegen einer angeblichen Diskriminierung von Männern? Kann das wirklich wahr sein? ist die Diskriminierung von Männern im Berufsleben tatsächlich ein Problem, mit dem wir uns beschäftigen sollten?
    Die Frauenquote reduziert Frauen nicht aufs Geschlecht, im Gegenteil, sie macht deutlich, dass Frauen bislang auf ihr Geschlecht reduziert wurden. Weil du eine Frau bist, stößt du an die gläserne Decke. Weil du eine Frau bist, wirst du, obwohl verboten, im Vorstellungsgespräch nach möglichen Kinderwünschen gefragt. Weil du eine Frau bist, trauen männliche Chefs dir weniger zu. Weil du eine Frau bist, ist dein Verdienst im Durchschnitt deutlich niedriger als der deines männlichen Kollegen in derselben Position. Frauen werden im Berufsleben dauernd auf ihr Geschlecht reduziert, nicht durch eine Quote.
    Die Frauenquote löst ein Problem: Den vollkommen unzureichend niedrigen Anteil von Frauen in Aufsichtsräten von Konzernen. Natürlich löst sie keins der anderen Probleme, die hier angeschnitten werden. Soll sie auch gar nicht. Statt Zeit zu vertrödeln damit, der Quote vorzuwerfen, sie löse Probleme nicht, die sie gar nicht lösen soll, sollten wir alle dran arbeiten, genau diese Probleme anzugehen.

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  2. Nicole Herzog am

    Vielen Dank für Ihren Kommentar Herr Pause. Leider hat das Beispiel Norwegen gezeigt, dass die Frauenquote lediglich dazu führt, dass die Sessel von Frauen besetzt werden, die gleich in mehreren Aufsichtsräten vertreten sind. Das heisst diese Frauen bekommen den Job nicht, weil sie, unabhängig vom Geschlecht, für das Unternehmen am besten geeignet sind, sondern aus den gleichen Gründen, warum viele Männer diese Position bekommen. Weil man sich kennt. Weil man keine unangenehmen Fragen erwartet. Weil es bequem ist. Nicht, weil sie für diese Position am besten geeignet sind, das Team ergänzen und das Unternehmen weiter bringen. Ja, die Quote bringt mehr Frauen in die Aufsichtsräte. Aber das allein macht die Aufsichtsräte nicht besser und auch nicht verantwortungsvoller und führt nachweislich auch nicht zu mehr Frauen in Führungspositionen. Und dies sollte doch eigentlich das Ziel sein, denn sonst wird die Quote zum Selbstzweck.

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    • Christoph Pause am

      Sehr geehrte Frau Herzog, ich glaube schon, dass die Quote mehr Frauen in Führungspositionen bringen wird, außer man betrachtet Aufsichtsratsposten in Konzernen nicht als Führungsposition. Sie ist ganz sicher kein Allheilmittel und kann nur der Einstieg sein, das Thema Equal Treatment endlich ernsthaft anzugehen. ich sehe in der Quote eine Art Ponton, gebaut als Interims-Brücke über den Fluss Benachteiligung von Frauen. Irgendwann wird es dieses Pontons nicht mehr bedürfen. Im Moment sehe ich aber nicht, dass sie Schaden anrichtet. Statt uns gegen die Quote zu verkämpfen, sollten wir alle daran arbeiten, den Ponton so schnell wie möglich überflüssig zu machen.

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