Haufe-Quadrant: Unternehmens­führung geht nicht nur vom Management aus

Dies ist ein gemeinsamer Blogbeitrag von Marc Stoffel und Hermann Arnold.

 

Der Haufe-Quadrant als Brille auf die gegenwärtigen Herausforderungen für Unternehmensführung: Im ersten Teil unserer Serie haben wir beschrieben, warum wir den Haufe-Quadranten entwickelt haben und welche Rolle die Mitarbeiter in diesem Modell einnehmen. Im heutigen Beitrag gehen wir auf die verschiedenen Möglichkeiten der Organisationssteuerung ein und was diese – abhängig von den Mitarbeitertypologien – für das Unternehmen bedeuten.


Unternehmen zwischen starker Führung und laisser-faire

Die Y-Achse des Haufe-Quadranten lenkt den Blick auf die Führungsstrukturen in Unternehmen. Nach gängiger Meinung werden Organisationen hauptsächlich klassisch top-down geführt. Die Geschäftsführung entscheidet und die Mitarbeiter führen aus. Was hingegen weniger dem üblichen Bild entspricht: Organisationsformen, die selbstorganisiert sind, bei denen die Mitarbeiter viele Entscheidungen selbstständig treffen und das Unternehmen entsprechend flexibel und agil ist.


Der Blick in den Quadranten

Abhängig davon, ob das Organisationsdesign stark gesteuert oder selbstorganisiert ist und ob die Mitarbeiter eher Gestalter oder Umsetzer sind, zeigt der Haufe-Quadrant vier verschiedene Organisationsformen auf: Weisung und Kontrolle, Schattenorganisation, agile Netzwerke und überforderte Organisation.

 

 

Haufe-Quadrant: Die vier Formen der Unternehmensführung

 

Weisung und Kontrolle: Der Kapitän ist stets auf der Brücke

Oben wird gedacht, unten wird gemacht: Diesen bewährten Führungsstil mit einer starken Führungsfigur an der Spitze und starrer Hierarchie kennen wir alle. Er hat sich über Jahrzehnte entwickelt und war lange Zeit Garant für hohe Produktivität und großen Wohlstand.

 

Die Task-Force aus der Schattenorganisation

Sind Strukturen zu rigide und werden als nicht passend empfunden, ziehen sich Mitarbeiter in eine Schattenorganisation zurück. Dort verfolgen sie ihre eigene Agenda – ohne Wissen und erst recht ohne direkte Einwirkungsmöglichkeit ihrer Vorgesetzten. Interessanterweise nutzen sogar Geschäftsführer Schattenorganisationen: Wenn es beispielsweise irgendwo brennt, wird eine Task Force erstellt. In der befinden sich nicht die Mitarbeiter, die im Organigramm an den entscheidenden Stellen stehen, sondern Leute, von denen das Management weiß, dass sie Dinge nach vorn bringen und Probleme lösen.

 

Überforderte Organisation ohne Führung

Mit der Digitalisierung kam der Wandel: Ein hohes Veränderungstempo und das Entstehen ganz neuer Geschäftsmodelle sorgen dafür, dass sich Unternehmen massiv agilisieren. Führungsebenen werden entfernt, Mitarbeiter sollen sich flexibel selbst organisieren. Doch was ist, wenn die Mitarbeiter immer noch gelernte Ausführende sind und mit dem großen Gestaltungsfreiraum nicht zurechtkommen? Wenn es auf einmal keinen Vorgesetzten mehr gibt, der Entscheidungen trifft, müssen sie sehr viel Zeit und Kraft in Abstimmungen mit Kollegen investieren, um einen Konsens zu erzielen – das kostet ungeheuer viel Energie und führt zunächst in die Überforderung.

 

Agile Netzwerke in Eigenregie

Es gibt in jedem Unternehmen Teams, die heute schon hervorragend als agile Netzwerke funktionieren. Mitarbeiter nutzen hier großen Freiraum, um selbstorganisiert Entscheidungen zu treffen und ihre Projekte eigenverantwortlich voranzutreiben.

 

Wo steht mein Unternehmen im Quadranten?

Viele Unternehmen sind versucht, sich bei der spannenden Frage nach ihrer Positionierung im Quadranten als Punkt in einer der möglichen Organisationsformen zu verorten. Wir sind jedoch überzeugt: In jedem Unternehmen gibt es alle Formen. Manche Bereiche funktionieren gut durch Weisung und Kontrolle, einige Teams arbeiten erfolgreich als agile Netzwerke und ebenso gibt es Mitarbeiter, die in Schattenorganisationen agieren oder überfordert sind. Unternehmen müssen sich also als eine Ellipse in diesem Quadranten verstehen, die vielfältigste Situationen aus allen vier Bereichen umfasst.

 

Wenn Sie an Ihr Unternehmen denken: Stimmen Sie uns zu? Gibt es auch in Ihrem Unternehmen alle verschiedenen Organisationsformen?


Unternehmensführung zwischen Licht und Schatten

Lesen Sie hier in der nächsten Woche den dritten Teil unserer Serie: Jedes Unternehmen ist eine Ellipse im Haufe-Quadranten. Doch können wir auch alle Teilbereiche der Ellipse unterstützen – und nehmen wir diese überhaupt wahr?

 

Photo Credit: Matthew Wiebe via Unsplash

Kommentare

  1. Guido Bosbach am

    Ich bin immer wieder freudig überrascht, wenn ich sehe, wie sich ähnliche Ideen zeitgleich an unterschiedlichen Orten in Resultate verwandeln. Ich habe ein sehr ähnliches Modell zur Organisationalen Reife entwickeln, das Unternehmen ermöglicht sich über ein paar wenige Fragen selbst zu verorten. Eine spannende Übung.
    Vielleicht haben Sie ja Lust das Thema gemeinsam weiter zu beleuchten.

    Viele Grüße
    Guido Bosbach

    Antworten
    • Herrmann Arnold am

      Lieber Herr Bosbach,

      es ist spannend zu lesen, dass Sie einen ähnlichen Ansatz verfolgen! Wir werden in den kommenden Wochen noch weitere Beiträge zum Thema veröffentlichen und sind auf Ihre Gedanken dazu gespannt. Mit jeder weiteren Perspektive bereichern wir die Diskussion, wohin sich Unternehmen zukünftig entwickeln müssen, und schaffen es so, gemeinsam das Umdenken in den Köpfen der Manager zu verankern.

      Beste Grüße

      Marc Stoffel & Herrmann Arnold

      Antworten

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