„Macht doch was Ihr wollt!” Wie Sie Ihre Mitarbeiter zu Job-Designern machen

Mitarbeiter sind deutlich zufriedener mit ihrer Arbeit, wenn sie diese selbst gestalten können. Viele verlassen ein Unternehmen sogar, weil ihr Job sie nicht erfüllt und sie sich schlichtweg langweilen. Die Lösung: Job-Design.

Ein Gastbeitrag von Robert Kötter und Marius Kursawe – 28.Juni 2016

 

Peter M. ist ein gutes Beispiel: Er ist 42 Jahre alt und seit zehn Jahren in derselben Firma. Niemand ahnt dort, dass ihn seine Tätigkeit im Vertrieb frustriert. Im Mitarbeitergespräch vereinbart seine Chefin mit ihm jährlich aufs Neue seine Aufgaben und Ziele. Aber wenn er nach Feierabend mit seinen Freunden spricht, klingt alles anders: „Ich kann nicht das machen, was ich eigentlich will. Ich fühle mich unterfordert, aber warum sollte ich mehr tun? Eine richtige Perspektive sehe ich nicht, aber zum Kündigen habe ich zu viel Angst.“ Eigentlich würde er gern seine Leidenschaft für Social Media und Blogging einbringen, aber das hat nun mal nichts mit seiner Abteilung zu tun.

 

Situationen wie die von Peter M. sind typisch. Mitarbeiter versauern auf ihren Posten, es gibt kaum Dynamik und wenig Veränderung, wenn man einen Karriereweg erstmal eingeschlagen hat. Die jährlich erscheinende Gallup Studie macht deutlich, wie viele Mitarbeiter frustriert sind und innerlich schon gekündigt haben.

 

Die Universität Harvard hat untersucht, was motivierte Mitarbeiter von unmotivierten überhaupt unterscheidet. In einem Krankenhaus zum Beispiel waren besonders die Menschen glücklicher und zufriedener, die aktiv ihre Job-Beschreibung umdefiniert haben, die ihre Aufgaben anders erledigt haben und ihre persönlichen Werte in ihre Arbeit integriert hatten. Die Forscher nennen diese Methode JobCrafting. In den Worten von Prof. Amy Wrzesniewski: „It involves redefining your job to incorporate your motives, strengths, and passions. You can put personal touches on how you see and do your job, and you’ll gain a greater sense of control at work.“

 

Mitarbeiter, die JobCrafting betreiben, sind effizienter und erfolgreicher. Das Problem: Sie haben bei der Arbeit nicht das gemacht, was sie eigentlich hätten tun sollen. Sie haben ihre Arbeitsbeschreibung manipuliert und eigenmächtig den Job (um-)gestaltet. Ein Horror für viele Personaler. In Deutschland wie in den USA wären das Kündigungsgründe. JobCrafting hat tatsächlich etwas Guerillahaftes. Gleichzeitig kann es eine große Chance sein. Denn wer möchte nicht, dass die Angestellten zufriedener sind und selber mitgestalten?

 

Aus unserer eigenen Arbeit mit Einzelpersonen und Unternehmen wissen wir, dass viele gute Mitarbeiter gehen, wenn sie das Gefühl haben, sich nicht einbringen zu können. Ihnen ist wichtig, Gestaltungsfreiraum zu haben. Und sie wollen einen Job machen, den sie als sinnvoll erachten. JobCrafting macht aus solchen Mitarbeitern Job-Designer, die lernen, ihren eigenen Job aktiv zu gestalten – mit voller Unterstützung durch den Arbeitgeber.

 

Um Mitarbeiter zu ermächtigen, ihren eigenen Job zu hacken, braucht es neue Skills bei Führungskräften und Personalern. Sie sind die Ermöglicher! Wir erleben immer wieder, dass Mitarbeiter und Führungskräfte dann jedoch aufblühen und ganz neue Perspektiven entdecken, wenn sie den Freiraum erhalten, ihren Job und damit auch ihr Unternehmen mitzugestalten.

 

Bei Peter M. war es übrigens ganz ähnlich. Er wurde von seinem Vorgesetzten eingeladen, an einem Job-Design-Prozess teilzunehmen. In diesem Prozess wurde deutlich, dass er Teile seines Jobs wirklich gerne macht – andere dafür überhaupt nicht. Heraus kam dabei auch, dass seine Leidenschaft für Blogging tatsächlich ein Skill ist, der im Unternehmen gefragt ist. Im Laufe der Workshops und auch dadurch, dass Kollegen aus der Social Media-Abteilung dabei waren, konnte eine Lösung gefunden werden, die für Peter eine fluidere Job-Beschreibung ermöglichte – über Abteilungsgrenzen hinweg.

 

Über die Autoren:

Robert Kötter und Marius Kursawe sind die Gründer von Work-Life-Romance. Als Experten für Life-Design und JobCrafting beraten Sie Unternehmen bei den Themen Zukunft der Arbeit und Job-Zufriedenheit: www.workliferomance.de

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