Masterplan Silicon Valley: Die sechs Erfolgsfaktoren hinter dem Mekka der Digitalen Transformation

In meinem ersten Beitrag „Inside Silicon Valley: There`s only MAKE“ habe ich die zwei wichtigsten Learnings unserer LeadershipGarage Experience näher vorgestellt. Doch was macht das Silicon Valley eigentlich aus? Woher kommt der Mythos um das Valley? Und viel wichtiger: Warum sind die Unternehmen aus dem Silicon Valley DIE Taktgeber in Fragen rund um Innovation und Entwicklung?

 

Sechs Erfolgsfaktoren des Silicon Valley

 

Wer das Silicon Valley verstehen will, muss sein Innerstes begreifen. Das hat uns der Vortrag von Prof. Dr. Keith Devlin, dem Leiter des H-Star Institute der Stanford University, gelehrt – mit einer für mich verblüffenden Erkenntnis: Das Silicon Valley ist keine zufällige Erfolgsgeschichte, entstanden durch glückliche Umstände und das schicksalhafte Zusammentreffen einiger IT-Pioniere, sondern es ist das Ergebnis eines ausgeklügelten Masterplans. Entscheidend für die heutige Bedeutung der innovativsten Wirtschafts- und Wissenschaftsregion der Welt waren sechs Erfolgsfaktoren:

 

1. Staatliche Subventionen: Als Keimzelle des Silicon Valley gilt das Moffett Federal Airfield, das seit dem Zweiten Weltkrieg der zentrale Militärflugplatz der Region war. Um den Flughafen herum siedelten sich mit massiver Unterstützung der US-Regierung etliche Unternehmen der Luftfahrtbranche an, die militärische Forschung betrieben und als Sprungbrett für die High-Tech-Industrie dienten. Erst 1971 wurde der Name Silicon Valley geschaffen. Diese staatlichen Subventionen bewirkten, dass junge Unternehmen auch ohne Aussicht auf Venture-Capital eine Finanzierungsmöglichkeit für sich und ihre Ideen erhielten.

 

2. Großes Flächenangebot: Einer der Urväter des Silicon Valley – und Vorreiter der heutigen Venture Capitalists – war Frederick Terman, ein ehemaliger Dekan der Stanford University. Er hatte die Idee, Studenten und Absolventen die Existenzgründung zu erleichtern, indem er ihnen Geld und die großen ungenutzten Ländereien der Universität zur Verfügung stellte. Zu den ersten Nutznießern des Programms gehörten die Studenten William Hewlett und David Packard, die Terman bereits 1939 bei der Gründung ihrer Elektronikfirma unterstützte – und damit den Grundstein für den heutigen zivilen Charakter des Silicon Valley legte. Terman war in den 50er Jahren von Boston an die Westküste gewechselt, weil er dort Bedingungen vorfand, die andere Regionen zwar versuchten umzusetzen, aber lange nicht so erfolgreich damit waren.

 

3. Infrastruktur: Mit zwei großen Flughäfen, der Nähe zur Küste und den großen Universitäten Stanford, San José und Berkley verfügt das Silicon Valley über die perfekte Infrastruktur für Innovation und Wachstum: Groß genug, um Innovationen einen Nährboden zu bieten und überschaubar genug, um Dichte und Energie zu erzeugen. Darüber hinaus garantieren herausragend ausgestattete Universitäten für hoch qualifizierten Nachwuchs und einen Pool an jungen Fach- und Führungskräften.

 

4. Kapital: Waren es zu Beginn ausschließlich staatliche Subventionen, die Experten, Wissenschaftler und Gründerpioniere angezogen haben, so hat Anfang der 70er Jahre das professionelle Venture-Capital seinen Einzug gehalten. Ende der 70er Jahre wurden die staatlichen Subventionen mehr und mehr zurück gefahren und die heute weltweit stärkste Venture-Capital-Szene begann sich zu entwickeln. Mit dem Apple IPO 1980 erfuhr das Valley eine neue Dimension der Kapitalbeschaffung für junge innovative Tech Unternehmen. Nicht umsonst befinden sich heute die teuersten Brands im Valley. Ein Resultat von ausgeklügeltem Infrastruktur-Management.

 

5. Talente: Die idealen Bedingungen im Silicon Valley sind Anziehungspunkt für arrivierte Professionals und junge Absolventen der Universitäten gleichermaßen. Der Wissenstransfer begann 1955 mit dem späteren Physik-Nobelpreisträger William Butschke Shockley und dauert bis heute an. Es gibt kaum eine Region auf der Welt, in der mittlerweile so viele High Potentials auf so engem Raum arbeiten. Die Möglichkeit, einfach zwischen den besten Unternehmen der Welt wählen zu können, ist einzigartig. “Highly fluid workforce” hat hier eine eigene Bedeutung.

 

6. Spirit: Im Hollywood der IT-Industrie herrscht eine Kultur des Gründens und Scheiterns, Wissen wird selbstverständlich geteilt, Innovationen entstehen durch Kooperation und Vernetzung – man lernt täglich von den Besten. Zudem gilt: „Failure is a batch of honor“, so Prof. Keith Devlin und meint damit eine radikal andere Fehlerkultur als in deutschen/europäischen Unternehmen. Fehler sind im Silicon Valley kein Stigma. Scheitern führt auch nicht zu Existenzverlust, da zahlreiche alternative Arbeitgeber vorhanden sind, wenn es mal nicht klappt. Ganz im Gegenteil: Wer im Job-Interview nicht mindestens zwei gravierende Fehler nennen kann, aus denen er gelernt hat, wirkt nicht glaubhaft – und hat vor allem nicht verstanden, was es bedeutet, seine Stärken und Schwächen zu kennen und zu nutzen.

 

Die gigantische Zahl von weit mehr als 40.000 Neugründungen seit Mitte der 50er Jahre beruht also zu einem guten Teil auf planvoller Strukturförderung; doch der wirklich entscheidende Faktor ist der Geist, der im Silicon Valley herrscht. Nur die Kombination aus hoher Risikobereitschaft, großer Dynamik, starker Vernetzung und disruptivem Denken macht aus einer Ansammlung von Hightech-Unternehmen das Mekka der digitalen Transformation. Denn diese ist in erster Linie ein kultureller Wandel, der in jedem Unternehmen möglich ist. Jedoch gilt auch: Jedes Unternehmen ist einzigartig und muss dementsprechend die kulturellen Eigenschaften adaptieren, die seiner Individualität gerecht werden.

 

Haben Sie bereits begonnen, die Kultur Ihres Unternehmens zu verändern? Welchen Herausforderungen begegnen Sie dabei?

 

Photo Credit: Christian Rondeau via flickr

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Kommentare

  1. Cetin am

    Wir sind auf euren Blog gestoßen und finden Ihn sehr informativ. Vielen Dank für die Informationen.

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  2. Hermann Arnold am

    Toll, dass Euch der Blog so gut gefällt.

    Antworten

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