Crytek

Mitarbeiterfeedback auf Facebook-Art

Leistungsbeurteilung 2.0 bei Crytek

Was macht Crytek?

Praktisch gibt es das jährliche Eins zu Eins mit dem Chef noch, aber mittlerweile wird dieses bei immer mehr Unternehmen durch neuere Konzepte abgelöst. So zum Beispiel bei dem deutschen Spieleentwickler Crytek mit Sitz in Frankfurt und ca. 600 Mitarbeitern. Hier wurde das Konzept Jahresgespräch vollständig abgeschafft. Stattdessen beurteilen sich die Mitarbeiter einmal pro Quartal gegenseitig in einer Art Online-Abstimmung. Hier steht jedem Mitarbeiter ein Kontingent an „Sternen“ zu, das er an seine Kollegen verteilen kann. Dabei soll bewertet werden, wie viel der Kollege zum Erfolg des Teams oder Unternehmens beigetragen hat. Verpflichtend ist allerdings ein kurzer Kommentar zur Einordnung der Bewertung.

Am Ende des Jahres wird die Abstimmung ausgewertet und der vorhandene Bonustopf transparent aufgeteilt: Je mehr Sterne man erhalten hat, umso größer fällt der Zuschlag aus. Heiko Fischer, ehemaliger Personalchef bei Crytek und Miterfinder dieses Bewertungssystems, meint dazu: „So kann niemand mehr sagen‚ mein Chef sehe nicht, was ich wirklich leiste.“

In puncto Aufwand bietet die elektronische Variante klare Vorteile: Zur Bewertung reicht ein einfacher Mausklick und die Bewertungsseite lässt sich sogar von unterwegs mit dem Smartphone aufrufen. Ganz im Sinne von Arbeit 4.0 gilt hier: offener, schneller und weniger hierarchisch.

 

Welche Herausforderungen hat Crytek?

Die Kopplung von Boni an Leistungsbeurteilungen nimmt ungeahnte Dimensionen an, wenn die Beurteilung plötzlich durch die eigenen Kollegen erfolgt. Potenzielle Gefahren oder gar Ängste sind dabei oftmals wahrgenommene Ungerechtigkeit und bewusste Verfälschung, zugunsten der eigenen Bewertung oder zulasten anderer. Dieser Eindruck kann sich durch Offenlegung des Feedbacks sowie dazugehöriger Kommentare verstärken. Die direkte Verknüpfung zu Bonuszahlungen erscheint somit zuerst als äußerst sensible Angelegenheit.

Diese Faktoren können allerdings bewusst angegangen und auch vermieden werden, indem Mitarbeiter in den Prozess zur Einführung eines neuen Beurteilungssystems einbezogen werden. Diese Einbindung von Mitarbeitern und das Bewertungssystem im Allgemeinen sollten dabei stets transparent gestaltet sein. Denn aktive Offenlegung führt auch hinsichtlich Feedback vorwiegend dazu, dass dieses als tatsächliche Wiedergabe der Leistungen wahrgenommen wird. Unstimmigkeiten erscheinen somit einsehbar und „beanstandbar“.

 

Welche Chancen bieten sich Crytek?

Die sinnvolle Verbindung von Leistungsbeurteilung und agiler Arbeitsweise erscheint im Kontext der Spieleindustrie und ihren technologischen Möglichkeiten erfolgsversprechend. So, wie das gesamte Leistungspotenzial eines Unternehmens vornehmlich auf seine Mitarbeiter angewiesen ist, um es ausschöpfen zu können, gestaltet es sich bei HR-Instrumenten in ähnlicher Weise: Auch hier sind Akzeptanz und Motivation der Mitarbeiter zur Nutzung der Tools wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung.

Das neue Bewertungssystem von Crytek adressiert die drei zentralen Kritikpunkte am alten Bonussystem:

  • Feedback in Echtzeit statt zeitlich verzögert
  • Ziele gemeinsam verhandeln und durch Kollegen beurteilen, die die eigene Leistung im Alltag sehen und einschätzen können
  • Einfachheit statt komplizierter Abläufe und Administrationsaufwände

Auf diese Weise konnte Crytek eine neue Wertschätzungskultur etablieren, welche individuelle Mitarbeiterentwicklung, offenes Feedback und die Förderung von Mitunternehmertum integriert. Damit bewegt sich die Unternehmenskultur am Puls der Zeit und erscheint zugleich hochgradig kompatibel zur Manier des Unternehmens.

 

Weiterführende Links zur New Work Experience bei Crytek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr zu unserer Reihe “New Work Experiences”:

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